| RSBB: Geschichten ... |
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| ... aus dem Vereinsleben |
Zu unseren Anfangszeiten hatten wir immer viel Spaß während der Karnevalsveranstaltungen. Damals wurden diese noch in einer Gaststätte im Ort, in Wasserliesch, durchgeführt, kurz der „Schmitz“. Und die alte Frau Schmitz kam auch gerne mal mit Brötchen, die den Gästen für „’ne Markfuffzig“ gereicht wurden. Darunter unter anderem auch G’hacksbrötchen (mit Tartar und Zwiebeln). Diese waren bei uns immer sehr „beliebt“, denn hatte man ein solches Brötchen gegessen, war man für den Rest des Abends damit beschäftigt, die Fleischreste aus den Zähnen zu puhlen ... (übrigens konnten wir nie feststellen, ob man mit G’hacksbrötchen besser oder schlechter Musik macht, denn zu fortgeschrittener Stunde spielte da mehr der Alkohol die entscheidende Rolle). Leider hat die gute Frau Schmitz nach einigen Jahren, als die Karnevalsveranstaltungen in ein Zelt und dann später noch in eine neue Gemeindehalle verlegt wurden, nie mehr G’hacksbrötchen serviert. Wir hielten aber noch jahrelang nach ihr Ausschau, und ab und zu ertönte der Ruf: „Da kommt de Frau Schmitz mit de G’hacksbrötchen!“ Auch während einer solchen Kappensitzung hatte unser Tubist Manni (ja – es gab eine richtige Tuba bei uns) schon einiges in der Krone. Die Kappensitzung war zu Ende, und wir machten noch etwas Tanzmusik. Manni verstand offensichtlich nicht mehr so gut. Unser Dirigent sagte das Stück „Nur ein Kuss Magdalena“ an (kennt bestimmt jeder!!!), doch unser Tubist blies kräftig die Einleitung eines anderen Stückes in sein Instrument. Wir starteten etwa fünfmal neu – aber jedesmal das gleiche Resultat. Endlich bemerkten wir, dass Manni offensichtlich „Wenn die Rosen erblühen in Malaga“ spielen wollte. Tja – nach dem aufgeklärten Irrtum ging es dann endlich weiter. Lange Zeit wurde die Band von Franz Machhaus geleitet. Franz, der das Managerhandbuch nie ganz verstanden hatte, empfand es als seine Pflicht, in ausschweifenden Reden dem Publikum die langen Wartezeiten zu versüßen, bis alle Musiker endlich ihre Noten beisammen hatten, um das nächste Stück zu spielen. Wir haben mit Franz wirklich einige Sternstunden erlebt. Hierzu nur zwei kurze Geschichtchen: Anlässlich eines Familienabends des Musikvereines Wasserliesch spielten wir vor ziemlich voller Halle. Das erste Stück auf unserer Programmliste hatten wir wochenlang einstudiert, aber dennoch waren wir ziemlich unsicher und hatten einigen Bammel. Franz erklärte dem Publikum, dass wir uns viel Arbeit bei den Proben gemacht hätten, und wenn trotzdem was in die Hose ginge, sei das einfach so. Seine Worte lauteten in etwa so: „un’ wenn dann mal eppes net so klappt – na dann feddich ab.“ Und prompt ging das erste Stück gewaltig in die Hose. Da wir allerdings vor heimischem Publikum spielten, war diese Blamage zu ertragen – ich glaube, es hat niemand richtig zugehört, und die, die zugehört haben, wären nach der Ansage nur enttäuscht gewesen, wenn wir richtig gespielt hätten. Während eines Auftrittes beim Konzer Heimat- und Weinfest spielten wir an dem Abend, an dem auch das publikumswirksame Feuerwerk stattfand. Franz unterhielt mal wieder das Publikum, das mit direktem Blick über die Bühne genau den Ausschnitt des Himmels im Visier hatte, an dem das erwartete Feuerwerk zu sehen sein musste. Wir waren schon ziemlich müde vom Spielen und daher froh für die Ansagen von Franz, die uns vergönnten, etwas Luft zu holen. Es war kurz vor 23.00 Uhr, dem Zeitpunkt, zu dem das Feuerwerk begann. Und tatsächlich hörte man gleich darauf die ersten Knaller, und man sah natürlich auch am Himmel das Feuerwerk. Franz erklärte dem Publikum dann, dass die ersten Raketen bereits hochgingen. Tja – vielleicht gab es ja Leute darunter, die blind und taub waren –, aber die haben zum Glück seine Ansage nicht gehört. Lange Zeit haben uns technisch Volker Manternach und Alfred Göttlich unterstützt. Volker, der technikverliebt alle Neuheiten im Bereich Beschallung kannte und möglichst auch sein eigen nennen wollte, und Alfred, der Mann fürs Grobe und ein gestandener Elektriker. Bei jedem Auftritt kam Volker daher und war recht nervös. Entweder zeitgleich oder kurz darauf erschien Alfred auf der Bildfläche. Eines Tages war es mal wieder so – Volker war bereits heftig am Wirbeln und stöpselte alles fleißig zusammen, und da erschien Alfred mit einer dicken Aktentasche. Was da wohl drin war ? Irgend jemand rief: „Alfred hat den Sound in der Tasche“ – und Volker konnte wieder lachen und aufatmen ... Dieses Duo, das eine Mischung aus Nitro und Glycerin darstellte, hatte im übrigen immer irgend etwas Besonderes vorbereitet, um dem Publikum auch zu verdeutlichen, dass wir nur mit neuester Technik daherkamen. Im Europaparkhotel in Trier spielten wir bei einer Sylvesterveranstaltung. Bereits beim Aufbau fiel unser damaliger Keyboarder rückwärts mit dem Stuhl von der Bühne. Als dann Mitternacht herannahte, waren unsere Techniker voll damit beschäftigt, ihre Technik so auszureizen, dass die Zuhörer endlich einmal in den Genuss eines ohrenbetäubenden Geräusches (oder war es Lärm?) kamen, der sich aus einigen Samples vom Ausbruch des Vulkans St. Helen, einer startenden Concorde und wer-weiß-was noch alles zusammensetzte. Es war auf jeden Fall laut, und unsere Techniker hatten einen Heidenspaß. Da es ständig ein Problem war, bei ca. 20 Musikern Ordnung in den Noten zu halten, ordneten wir unser Repertoire numerisch. Jedes Stück erhielt eine Nummer, und so musste nur noch die Nummer genannt werden, und jedem war klar, welches Stück aufgelegt wurde. Ich selbst war auch lange Zeit ein Anhänger der Nummernfraktion (inzwischen hat sich übrigens die Alphabetenfraktion durchgesetzt), und so rief ich bei jedem Stück „Wat is dat dann für'n Nummeeeeer?“, was insgesamt zur Erheiterung beitrug und auch heute noch gerne gehört wird. Übrigens gibt es jetzt in der Alphabetenfraktion auch Splittergruppen. Wo wird zum Beispiel „A String of Pearls“ einsortiert ? Unter A oder S – oder wie sieht es aus mit „The Pink Panther“ – ich bin für T, andere wiederum behaupten, es gehöre unter P. Vielleicht führen wir ja wieder das Nummernsystem ein ... Auch in jüngerer Zeit trugen sich natürlich einige Ereignisse zu, die uns noch jahrelang gut in Erinnerung bleiben werden. Unter anderem hatten wir einmal einen Keyboarder, der wirklich fleißig übte und eigentlich bei jedem Stück auch seinen Mann stand. Leider hatte er ein ziemlich schwaches Nervenkostüm, und bei einem Stück ging bei ihm der Blutdruck besonders in die Höhe. Bei einem Auftritt im Sommer standen wir also auf der Bühne, und der Dirigent sagte dieses fragliche Stück an. Alles blätterte die Noten um, um die Verzögerung so kurz wie möglich zu halten. Nur unser Keyboarder weigerte sich, dieses Stück zu spielen. Er wurde so ärgerlich, dass er laut über die Bühne rief „Dat spiiiel ich net!“ (sehr langgezogen, bitte). Dieser Satz blieb allen Musikern, die damals dabei waren, in Erinnerung, und regelmäßig (zumindest während den Proben) wird er rezitiert, was wiederum zur Erheiterung der Anwesenden führt. Vor gar nicht langer Zeit hatten wir ein Casting, bei dem wir uns Sänger und Sängerinnen anhörten. Der einzige Sänger, der dann auch letztlich vorsang, wird uns noch lange als Elvis in Erinnerung bleiben. Wir spielten auf seinen Wunsch „My Way“ (in der Fassung von Frank Sinatra), und er sang dazu die originale Elvis-Fassung. Leider stehen wir nicht so auf Elvis in der Big-Band-Musik, aber der Mann war echt gut. Bestimmt eine Reinkarnation. Während er die ersten Worte sang, blieb uns auf jeden Fall die Spucke weg, und wir mussten fast alle ins Instrument lachen, weil wir gar nicht mit „dem King of Rock’n Roll“ gerechnet hatten. Und natürlich hatten die meisten in unserer Big Band auch Spitznamen. Hier eine kleine Sammlung: Matthias Dühr war unser Bassist, der durch seine lockere Art auffiel. Ihm gebührte der Spitzname „Speisstheis“. Michael Reinert, ein ehemaliger Trompeter, der jetzt irgendwo Quarks zählt und Leptonen aufbrüht, war schlicht und einfach Hafling (weil er blond war). Florence Absolu, die lange Zeit als Sängerin und Dirigentin fungierte, hieß einfach Flo. Ob es richtig Floh (mit H) heißen sollte, weil sie manchmal so bissig war ?!?! Mir selbst – Christian Gödert – hat man den Spitznamen Göethe zugedacht. Warum, weiß wohl keiner mehr. Die sind schon alle ausgestorben, aber inzwischen ist dies sehr hilfreich, da wir mehrere „Christiäne“ in der Band haben und es da schnell zu Verwechslungen kommt. Christian Gödert |